JETZT OFFIZIELL: MUSIKVIDEOS AUF FACEBOOK

Musikvideos haben seit ihrem rasanten Aufstieg mit MTV und Co. diverse Höhen und Tiefen erlebt. Insbesondere die Bedeutung von Musikvideos für die Promotion ist teilweise durch tiefschwarze Täler gewandert, denn auf Seite der Fans hat sich im Laufe der Jahre die Mediennutzung drastisch verändert (worauf wir in unseren letzten Artikeln immer mal wieder eingegangen sind). Im Gegensatz zu früher, als man ein Musikvideo nur sehen konnte, wenn man zur richtigen Zeit den richtigen TV Sender eingeschaltet hat, ist heute praktisch jeder mit einen Internetanschluss und Zugang zu sozialen Netzwerken ein potenzieller Konsument. Die damit einhergehende Steigerung der Reichweite ist wesentlicher Baustein für virale Welthits und zeigt, dass Musikvideos wieder wichtiger als jemals zuvor sind, insbesondere um Singles zu promoten.

Jetzt hat Facebook offiziell verkündet unseren geliebten Musikvideos eine eigene Kategorie in der App unter Facebook Watch einzuräumen. Das neue Feature wird zunächst in den USA gelauncht und kommt hoffentlich bald zu uns nach Europa.

Musikvideos auf Facebook – so geht’s …

“Starting this weekend, you’ll be able to discover, watch, and share music videos from today’s top artists to up-and-coming bands and classics across various music genres on Facebook.”

Das verkündeten Tamara Hrivnak, VP of Music Business Development and Partnerships, und Vijaye Raji, VP of Entertainment am 31.07.2020 im Facebook Newsroom.

Für den Moment gilt diese Botschaft nur für User in der USA, Indien und Thailand. Bei uns ist die Kategorie „Musik“ in Facebook Watch zwar schon eingebaut, führt aber bisher noch in eine graue Leere …

Wenn du also aus einem der drei o.g. Länder kommst, kannst du schon jetzt auf Facebook Watch gehen und dort in der Kategorie „Music“ nach deinen Lieblings-Musikvideos suchen. Dabei kannst du nach Genre, Künstler oder Stimmung sortieren, aber auch direkt kuratierte Playlisten ansteuern, bspw. „HipHop MVPs“, „Trailblazers of Pop“ oder „Epic Dance Videos“. Sehr angelehnt an Spotify, Apple Music und Co., kommen die zeitlich begrenzten Playlisten „Popular This Week“ und „New This Week“ daher.

Quelle: Facebook

Ein wichtiges Highlight werden sicherlich auch die Musikvideo-Premieren sein. So startet Facebook direkt mit exklusivem Content und Premieren einiger Künstler, u.a. J. Balvin, Lele Pons, Calibre 50, Karol G, Sebastian Yarta u.v.m.

Mit einer kleinen Anpassung der Artist Pages hat Facebook ermöglicht, dass die Musikvideos auch dort zu finden sind. Neu ist aber, dass man zukünftig einer Artist Page auch direkt vom Musikvideo aus folgen kann.

Mit Facebook Watch hat die Social Media Plattform bereits 2017 den Grundstein für einen Hybrid aus VoD, Fernsehen und YouTube gelegt. Grundsätzlich ist das mit den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit keine großartige Besonderheit mehr. Daher zählt für uns vielmehr der Nutzen für die Künstler*innen, sowohl monetär als auch im Promo-Kontext.

Was haben die Künstler*innen davon?

Hoffentlich eine Menge! Denn Facebook hat Lizenzvereinbarungen mit allen 3 Majors und dem Indie Netzwerk Merlin, sowie Kobalt, BMG und weiteren Verlagen, Labels und Verwertungsgesellschaften geschlossen (Quelle). Wie diese Deals genau aussehen, wird aber bisher nicht öffentlich dargelegt. Immerhin ist das pure Vorhandensein solcher Vereinbarungen schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Welche Chancen ergeben sich für das Musikmarketing?

Wir hoffen mit dem neuen Feature auf einen bunten Strauß neuer Möglichkeiten. Wichtig ist aber immer zu beachten, dass es sich nach wie vor um eine Social Media Plattform handelt und auch von Künstlern nicht als reine Werbeplattform missbraucht werden sollte. Marketing setzt also zuerst mal auf der organischen Ebene an! Community-Management ist das passende Stichwort dafür. Je gezielter und professioneller ein ganzes Artist-Universum um die jeweiligen Künstler*innen aufgebaut wird, desto größer sind auch die Chancen, dass die Fans sich gerne und lange in diesem Universum bewegen. Mit den Musikvideos wird es nun um einen wichtigen visuellen Bestandteil erweitert, der neben Aufmerksamkeit auch Einnahmen generieren kann. Und ganz nebenbei hat eine längere Verweildauer der Fans auf den Artist-Pages und mehr Interaktion einen positiven Einfluss auf das Rating im Facebook Algorithmus.

Momentan wird auch gemunkelt, dass Facebook bereits mit Künstlern und Labels zusammenarbeitet, um die Musikvideos in entsprechenden Marketing-Events zu nutzen und in den Kontext bestehender Funktionen der App einzubauen. Wir sind gespannt, was das am Ende heißen mag.

Spannend ist die Thematik der kuratierten Playlisten im Musikvideo-Bereich. Damit erweitert sich zukünftig die Playlist-Pitching Arbeit vor dem Release um die Kuratoren von Facebook.

Wer jetzt denkt, dass Facebook Musikvideos die Arbeit mit bzw. auf YouTube ersetzen kann, der irrt sich vermutlich. Erfahrungsgemäß sind YouTube und Facebook bei vielen Künstlern auf der Content-Ebene gewissermaßen getrennt voneinander zu betrachten. Nicht zuletzt, weil die jeweilige Community oft ein wenig anders tickt an YouTube noch direkt der hauseigene Streaming Service YouTube Music angeschlossen ist. Solange du also in der Lage bist mit deinem Content verschiedene Plattformen zu bedienen und zu pflegen, solltest du das auch weiterhin machen. Denn im Großen betrachtet, findet das angesprochene Artist-Universum plattformübergreifend, sowie on- und offline statt.

Kurzum

Sobald das auf den ersten Blick tolle Facebook Musikvideo Feature in Europa ausgerollt wird, gibt es eine große neue audiovisuelle Spielwiese – und eine Menge zu tun für unsere Künstler*innen! Dieses Mal aber endlich mit einem konkreten monetären Gegenwert, sofern die Musik in den entsprechend lizenzierten Vertriebswegen stattfindet. Wir freuen uns darauf in Zukunft noch größere Universen zu basteln. Wenn du dabei Hilfe brauchst, kannst du uns auch jederzeit per Mail kontaktieren.

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Von | 2020-08-07T09:18:35+00:00 August 7th, 2020|Facebook, Musik Business, Social Media|0 Kommentare

Über den Autor:

Verena
Verena ist Mitinhaberin von Dunstan Music / Dunstan Media House. Durch verschiedene Labelprojekte, Verlagsmanagement und Publishing-Kooperationen verfügt sie über fundierte Erfahrung in der Musikbranche. Daneben fördert Verena den Nachwuchs mit fachbezogenen Seminaren an verschiedenen Hochschulen. Verenas Spezialgebiete sind Music Publishing und Online Marketing.

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