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NETWORKING IN DER MUSIKINDUSTRIE: BRANCHENEVENTS

Es gibt in der Musikindustrie – neben der Musik – nichts Wichtigeres als ein gutes Netzwerk und professionelle Partner. Das gilt für Künstler genauso wie für Unternehmen. Aus diesem Grund gibt es einige über das ganze Jahr verteilte Netzwerkveranstaltungen, Messen und Branchenevents, die sich – je nach Bedürfnis – mehr oder weniger gut eignen, Kontakte zu finden.

In den letzten Artikeln ging es viel um Online Promo, in diesem Beitrag stellen wir ein paar der wichtigsten Branchen-Events vor und wie du sie zur Selfpromotion einsetzen kannst.

Branchenevent Showcase-Festivals

Heutzutage sind die meisten großen Branchenevents in Showcase-Festivals gebettet. Das hat den Vorteil, dass sich Künstler live präsentieren können und die Branche (z.B. Festival-Booker oder A&Rs) auch gleich vor Ort ist, um sich die für sie passenden Bands und Musiker herauszupicken. Klingt nach Gemüseladen? Daher auch der Name Showcase (= Vitrine).

Von dieser Seite aus betrachtet ist es toll, wenn du als Musiker Gelegenheit hast, auf einem solchen Showcase-Festival zu spielen oder als Unternehmen eigene Bands dort unterbekommst. Allerdings ist die Anzahl der Bewerbungen natürlich riesig, und auch hier gilt: Fast nix läuft ohne Kontakte.

Networking – wie und wo geht das?

Wenn du in der Musikindustrie vorankommen willst, müssen ein paar Dinge zusammenspielen: Du brauchst ein gutes Produkt (die Musik), professionelle Partner, so viele sinnvolle Kontakte wie möglich und natürlich Geduld und Ausdauer. Netzwerke bauen sich über Jahre auf, nicht an einem Wochenende. Kontakte, die dir weiterhelfen, findest du auf Branchen-Events wie u.a. dem Reeperbahnfestival in Hamburg zuhauf. Allerdings, um bei dem Beispiel zu bleiben, laufen auf der Reeperbahn nicht nur fast 5000 Fachbesucher rum, sondern auch viele Gäste, Techniker, Touristen usw.

Immerhin bekommen die Fachbesucher, sofern sie ein Conference-Ticket gekauft haben, ein Badge mit Namen plus Firma/Band. Das Problem: Einerseits tragen dieses Badge nicht alle, was die „Erkennung“ der richtigen Ansprechpartner erschwert. Andererseits gibt es auch Leute in der Branche, die haben gar kein Conference-Badge. Sie werden z.B. auf private Firmen-Veranstaltungen eingeladen, die parallel des offiziellen Programms ablaufen, und bei manchen Konzerten direkt durch den Hintereingang reingeholt. Denn: Selbst mit Priority-Einlass durch so ein Conference-Badge hat man oft keine Chance, in bestimmte Clubs zu kommen, weil zu viele Leute gleichzeitig reinwollen. Damit soll nur gesagt sein: Verlass dich nicht ausschließlich darauf, dass alle Teilnehmer auch ein Badge tragen. Dennoch: wenn du selbst als Fachbesucher erkannt werden willst, solltest du wenn möglich deines sichtbar halten, denn der ein oder andere Kontakt kommt allein damit zustande.

Be prepared – die Delegates-Database

Solange du noch nicht zu der Gruppe an Leuten gehörst, die kein Badge brauchen, solltest du die Vorteile nutzen, die eine Conference-Anmeldung mit sich bringt. Sobald du dich registriert hast, bekommst du im Allgemeinen auch Zugang zu der Delegates-Database. Hier kannst du sehen, welche Personen von welchen Firmen der Musikindustrie vor Ort sein werden, und diese auch gegebenenfalls anschreiben und Termine ausmachen. Wichtig ist hier: Wenn du keinen konkreten Grund oder Aufhänger hast (wie zum Beispiel einen Deal mit einer Merchandise-Firma einzutüten oder mit bestimmten Vorschlägen an einen Tourneeveranstalter heranzutreten etc.), ist das eher schwierig. Solltest du aber beispielweise eine Tour in Osteuropa planen und brauchst dafür Expertise, macht es vielleicht Sinn, dich mit einer rumänischen oder polnischen Agentur vor Ort zu treffen. Im Idealfall erhältst du über diesen Weg Infos über den dortigen Markt und dessen Stolpersteinchen. Im Gegenzug ist diese Agentur sehr wahrscheinlich dankbar über Kontakte nach Deutschland oder halt dorthin, wo du herkommst. Netzwerke funktionieren schließlich in beide (und irgendwann in verschiedene) Richtungen. Deshalb denk auch immer darüber nach, ob du nicht auch etwas aus deiner Netzwerk-Kiste anzubieten hast, abseits von deinem Produkt oder deiner Dienstleistung. Netzwerke verfestigen sich auch, indem man Leute einander vorstellt.

Be prepared – Event-Einladungen

Wenn du als Delegate beim Festival angemeldet bist, stehst du selbst auch in dieser Datenbank. Das hat zur Folge, dass du manchmal im Vorfeld Einladungen zu Events bekommst, bei denen du dich anmelden kannst. Du solltest auch einfach mal konkret danach suchen, zu welchen Events man sich (am besten so früh wie möglich) anmelden kann. Sowas lohnt sich, weil immer irgendwo Leute anzutreffen sind, die für dein Business interessant sein könnten. Da machen mal die Schweizer was, mal die Briten, die Popakademie oder oder oder. Die Events, auf die man ohne private Einladung kommt, sind meist öffentlich gefördert und scheinen dadurch vielleicht uninteressant. Allerdings befinden sich hier Menschen, über deren Bekanntschaft du dich noch freuen wirst. Denn: Alle Leute in der Musikindustrie haben wiederum weitere Kontakte, und diese wieder welche, und alle leben und profitieren davon.

On site – Firmenevents

Die Deluxe-Version ist natürlich, wenn du Gelegenheit hast, auf einer der Veranstaltungen zu landen, auf die man nur mit direkter Einladung kommt. Viele ortsansässige oder auch auswärtige Firmen haben dafür bestimmte Events, auf die sie ihre Geschäftspartner einladen. Künstler werden auch eingeladen, aber meistens in einem Stadium, wenn die sowieso nicht mehr so richtig selber netzwerken müssen, weil das ihre Agenturen für sie erledigen. Dennoch: Je mehr Leute man kennt, desto besser. Irgendwann ergibt sich dann doch mal eine Bekanntschaft mit einem Mitarbeiter einer solchen Firma, was auch mal zu einer Einladung führen kann.

Wichtig: Netzwerken besteht auch daraus, sich immer wieder in das Gedächtnis zu rufen, wen man kennt und wen man weswegen vielleicht anfragen kann. Im Umkehrschluss sollte auch die Bereitschaft vorhanden sein selbst angefragt zu werden. Außerdem: Eine Kartei oder Datenbank darüber anzulegen, ist ab einer bestimmten Menge ein Muss, damit du Kontakt-Möglichkeiten nicht übersiehst.

Der Vorteil bei solchen Veranstaltungen der Musikindustrie ist jedenfalls, dass die Dichte an Leuten, die gut und lange im Geschäft sind, relativ hoch ist. Außerdem kommst du hier auch schnell mit anderen Gästen in Kontakt.

On site- Panels

Auch während der Panels und Workshops findest du hervorragende Gelegenheiten, mit anderen in Kontakt zu treten. Angefangen vom Sitznachbarn bis hin zu den Speakern: oft bieten diese allen Zuhörern die Gelegenheit, nach dem Panel noch nach vorne zu kommen und Fragen zu stellen. Dabei darf man auch mal nach einer E-Mail-Adresse fragen.

On site – Getting in touch

Zu allem ist hinzuzufügen: Es ist auf jeden Fall gut, konkrete Ziele zu haben und bestimmte Leute auch direkt aufgrund ihrer Arbeit anzusprechen. Gerade wenn du, wie oben erwähnt, im Vorfeld Termine ausmachst. Trotzdem ist es erfahrungsgemäß nachhaltiger, wenn man Menschen einfach locker kennenlernt. Das passiert eher, wenn man sich zufällig an der Hotelbar, auf einer Party oder einem Get together kennenlernt. Und so ein Geplauder klappt meistens besser unvoreingenommen. Das heißt: entspann dich und quatsch ohne viel Vorhaben mit Leuten. Es hilft dabei wirklich, nicht zu wissen, dass man die Chef-Bookerin oder den Chef-Booker eines riesigen Festivals vor der Nase hat. Sie oder er wird es euch vermutlich sogar danken. Es ist für die meisten Leute in solchen Positionen ganz schön anstrengend, immer unter Beschuss zu sein, ein Promo-Tape nach dem anderen in die Tasche zu stecken, und ständig geschäftlich angebaggert zu werden. Und es hilft genauso, erst mal nicht zu wissen, dass es „nur“ der Praktikant ist, dem du gerade die Hand schüttelst. Jeder Kontakt ist in der Musikindustrie wertvoll! Die Chef-Bookerin oder der Chef-Booker kann nächstes Jahr zum Bienenzüchten nach Kanada auswandern und der Praktikant eine bald mächtige Firma gründen. Also, entspann dich, sei aufgeschlossen und wenn möglich sympathisch und unaufdringlich. Dennoch nicht vergessen, es ist immer noch ein Geschäft. Also trink nicht alle Gratis-Drinks auf einmal und denk daran, Kärtchen auszutauschen. Vernetze dich wenn möglich auch direkt in den sozialen Netzwerken mit deinen neuen Kontakten. Schließlich solltest du die Möglichkeit haben, Verbindungen nicht nur herzustellen, sondern auch zu erhalten, was mindestens genauso wichtig ist.

Ein paar Networking Events der Musikindustrie zusammengefasst

  • c/o pop // 29.August-2.September 2018 // Hier geht’s zum Event
  • Reeperbahnfestival // 19.-22. September 2018 // Hier geht’s zum Event
  • Wave Vienna // 27.-29.September 2018 // Hier geht’s zum Event
  • Womex // 24.-28. Oktober 2018 // Hier geht’s zum Event
  • Iceland Airwaves // 7.-10.November 2018 // Hier geht’s zum Event
  • Eurosonic Noorderslag Festival Groningen 2019 // 16.-19. Januar 2019 //Hier geht’s zum Event
  • SXSW // 8.-17.März 2019 // Hier geht’s zum Event
  • M4 Music // 14.-17.März 2019 // Hier geht’s zum Event
  • Jazzahead // 25.-28 April 2019 // Hier geht’s zum Event
  • Future Music Camp // April, jährlich // Hier geht’s zum Event
  • Great Escape // 9.-11.Mai 2019 // Hier geht’s zum Event
  • MIDEM // 4.-7.Juni 2019 // Hier geht’s zum Event

 

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Von | 2018-08-02T17:39:19+00:00 August 2nd, 2018|Latest Articles, Musik Business, Newcomer|0 Kommentare

Über den Autor:

Sarah
Sarah ist freie Mitarbeiterin bei Dunstan Music / Dunstan Media House. Dank Tourneeerfahrung, der Mitarbeit bei Veröffentlichungen verschiedener Künstler und bei Musikmagazinen sowie Arbeit im Musikförderbereich, weiß sie, was Musiker, Bands und Unternehmen bewegt. Networking, Redaktionelles und der Livebereich sind Sarahs Spezialgebiete.

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