TWITCH FOR ARTISTS

Viel diskutiert und leider immer noch aktuell: Durch die Corona-Pandemie fallen rentable Konzerte sowohl für KünstlerInnen als auch VeranstalterInnen und Venues vorerst noch flach. Schnell haben sich viele Events ins Internet verlagert. Nicht erst seit COVID-19 empfängt Twitch MusikerInnen mit offenen Armen. Aber nun wird den Artists dieses digitale Fenster zu den Fans mit mehr Nachdruck geöffnet – Twitch for Artists. In diesem Artikel wollen wir dich als KünstlerIn mit den neuen Möglichkeiten ein bisschen vertrauter machen. Welche Plattformen und Features für dich sonst interessant sein könnten, haben wir bereits in unseren letzten Blogartikeln diskutiert.

Twitch for Artists – wie kam es dazu?

Eigentlich ist Twitch ursprünglich besser bekannt als Streaming Plattform für Gamer. 2014 wurde die Plattform von Amazon gekauft und baute später ein eigenes Music Team auf, darunter Tracy Chan (ehem. Spotify). Im Laufe der Zeit nutzten immer mehr MusikerInnen Twitch als neuen Content Channel, wie bspw. der US-Rapper Logic, Mike Shinoda von Linkin Park oder auch Plastician. Und dabei ist der Kreativität kaum eine Grenze gesetzt.

Im Zuge der Pandemie (und auch schon davor), entdeckten immer mehr MusikerInnen die Plattform für sich. Im Mai erreichte Twitch’s “Music and Performing Arts” sogar 25 Millionen Streaming-Stunden, was eine Steigerung von 268% bedeutete. (Quelle: Musically Sandbox Issue 260)

Wie funktioniert Twitch für MusikerInnen?

Das Schöne an Twitch ist die direkte Interaktion mit den Fans während des Livestreams. Das ist auch über andere Plattformen möglich und damit kein Alleinstellungsmerkmal. Interessant wird es immer dann, wenn man explizit recherchiert, wo sich die eigene vorhandene und potenzielle neue Zielgruppe aufhält. Somit ist Twitch vielleicht auch nicht für jeden Artist die richtige Plattform. Aber stellt man aber fest, dass dort Potenziale schlummern, sollte man der Sache unbedingt eine Chance geben. Es geht am Ende – wie so oft – um den Community-Gedanken.

Im nächsten Schritt ist eine klare Vorstellung wichtig, wie man Twitch nutzen möchte. Welchen konkreten Mehrwert kannst du deinen Fans dort liefern? Oft scheitert so ein Versuch leider aus Mangel an Kreativität. Denn kaum jemand hat 2020 noch Interesse einfach mal einen Livestream einzuschalten, nur weil ein Artist sich in seinen Privaträumen vor eine Kamera setzt. Dieser Effekt wurde schon vor Jahren von Facebook, Instagram, YouTube und Co. abgegriffen. Also: Denkmurmel anschmeißen und Ideen entwickeln! Im Idealfall ist das Thema Interaktion ein Dreh- und Angelpunkt in diesem Prozess. Der Mehrwert für den Fan kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Das sollte  aber wiederum vom Creator (also von dir als Artist) klar definierbar sein. So baust du dir auch gleich eine gute USP auf Twitch auf. Wenn du dann eine Vorstellung von deinem individuellen, wertigen Content hast, gilt es sich ins Vergnügen zu werfen und auszuprobieren.

Übrigens: MusikerInnen können nun auch ihr Twitch-Profil mit Amazon Music verknüpfen. So können deine Fans deine Twitch Performance auch direkt in der Musikstreaming App ansehen. (Quelle: www.theverge.com)

It’s all about the content …

Der Content kann ganz random einzelne Elemente des KünstlerInnen-Lebens aufgreifen (z.B. Funny Rehearsals, Songwriting Sessions). Es darf auch der Livestream eines ganzen Konzerts oder einer Konzertreihe sein. Als i-Tüpfelchen kann noch ein Meet & Greet mit den Fans im Nachgang oder ein „Subscriber-Only-Chat“ draufgesetzt werden. Man kann aber auch sehr kreativ werden, wie z.B. der Dubstep DJ und Produzent Plastician, der kurzerhand Pub-Quizze auf seinem Channel veranstaltet hat. Insbesondere bei so einem Format ist die Interaktion derart hoch, dass eine wirklich nachhaltige Nähe zwischen Creator und Fan geschaffen wird.

Gleichermaßen kreativ im Umgang mit der Plattform zeigten sich Mike Shinoda oder auch Sereda. Beide kreierten ein Album auf Twitch mit direktem Feedback der Fans, während des Produktionsprozesses. (Quelle: Musically Sandbox Issue 260)

Sicherlich ist es anfänglich eine Überwindung in diesem Arbeitsstadium sich direkt mit der Meinung der Fans zu konfrontieren. Man möchte ja eigentlich erst an die Öffentlichkeit, wenn man selbst überzeugt ist. Andererseits kann man neue Musik eigentlich nicht marktgerechter produzieren, als mit dem Feedback der späteren KäuferInnen. Sereda profitierte davon mit unfassbar vielen Pre-saves, obwohl ihre eigene Community auf Twitch gar nicht so riesig ist.

Wichtig ist, dass man Twitch nicht einfach als Ersatz für die weggefallenen Konzerte betrachtet und den Content 1:1 spiegelt. Auf jeder Online-Plattform wird von den Usern heutzutage weit mehr erwartet als das! Hier muss „Performance“ neu gedacht werden. Eben als „Twitch for Artists“ und nicht umgekehrt!

Am besten holt man sich zu Beginn mal Inspiration bei ähnlichen KünstlerInnen, die bereits eine Community auf Twitch aufgebaut haben. Schaut euch dabei die Möglichkeiten der Plattform an und überlegt im Anschluss, wie ihr mit eurer individuellen Herangehensweise diese am besten für euch nutzen könnt.

Wie sieht der finanzielle Mehrwert aus?

Wie gesagt, da Twitch nicht einfach als Ersatzkanal für die abgesagten Live Shows betrachtet werden kann, ist auch die Monetarisierung etwas komplexer.

Anders als auf vielen sozialen Netzwerken, wird in der Twitch Community oft mit direkten Payments vom Fan an den Creator gearbeitet. Am häufigsten passiert das in Form von Subscriptions und Spenden. Die Höhe des Betrags bestimmt bei den Spenden der Fan. Der Artist kann im Gegenzug zusätzlichen Content, wie z.B. „Emotes“ oder „Requests“ anbieten. Emotes sind eigens kreierte Emojis, die von den Fans auch in anderen Streams eingesetzt werden können. Requests sind z.B. Aufgaben (also sowas wie „spiel ein Cover von Song XY“), für die der User einen festgelegten Betrag spendet. Der Streamer setzt diesen Request dann live während des Streams um.

Der „Geldtransfer“ erfolgt teilweise in einer Twitch-eigenen Onlinewährung und wird über „Bits“ und „Cheers“ getätigt. Alternativ kann man auch ganz normal Geld spenden.

Welche Chancen ergeben sich für das Musikmarketing?

An dieser Stelle sei (wie immer mal wieder in unseren Artikeln) gesagt, dass Marketing nicht gleich Promotion ist! Marketing ist vielmehr die ganzheitliche Betrachtung und Steuerung einer Marke am Markt. Promotion ist nur ein Teilbereich des Marketings. Insofern sehen wir Twitch im ersten Moment eher als organische Marketingkomponente.

Versuche nicht gleich beim ersten Kontakt mit Fans etwas zu „verkaufen“, sondern baue eine Beziehung auf. Ein hohes Involvement- und Engagement-Level von Fans ist so viel wertvoller als ein paar Streams, die durch frontale Kommunikation herbeigewürgt werden. Wer mit seiner Community gut interagiert, muss mitunter gar nicht mehr offensiv zum Kauf, Download oder Stream anregen. Wer seine Sache in der organischen Kommunikation gut macht, wird von seinen Fans im Idealfall mit der Selbstverständlichkeit belohnt, dass neue Produkte direkt Aufmerksamkeit genießen. Promotion im eigentlichen Sinne ist dann nur noch da, um die positiven organischen Effekte zu unterstützen und neue potenzielle Fans aufmerksam zu machen. So ist das Gesamtkonstrukt am effizientesten und kostet auch kein unnötiges Werbebudget.

Fazit – Twitch for Artists

Twitch for Artists – das kann ein tolles Fenster zur eigenen Community sein, wenn diese dort auch vertreten ist. Wichtig ist im Vorfeld eine klare Vorstellung vom Umgang mit der Plattform und der Content-Gestaltung. Gib deinen Fans einen Grund dir dort zu folgen – zusätzlich zu deinen anderen Online Präsenzen. Spannend ist die Monetarisierung, die mitunter sehr rentabel sein kann, wenn die Interaktion mit der Community stimmt. Wenn du dabei Hilfe brauchst, kannst du uns auch jederzeit per Mail kontaktieren.

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Von | 2020-09-21T13:12:17+00:00 September 18th, 2020|Creative, Konzerte, Live Streaming, Musik Business, Online Marketing, Social Media, Streaming, Videos|

Über den Autor:

Verena
Verena ist Mitinhaberin von Dunstan Music / Dunstan Media House. Durch verschiedene Labelprojekte, Verlagsmanagement und Publishing-Kooperationen verfügt sie über fundierte Erfahrung in der Musikbranche. Daneben fördert Verena den Nachwuchs mit fachbezogenen Seminaren an verschiedenen Hochschulen. Verenas Spezialgebiete sind Music Publishing und Online Marketing.

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